Globale Hysterie von Mischitz Mary Luiza, 4. 5. 2020

Die menschliche Spezies ist so leicht zu vernichten.

Wenn Gott in diesem Moment auf die Erde herunterschauen würde,
Wie die Menschheit von einem unbekannten Virus
In der ganzen Welt in Panik versetzt wird,
Würde sogar er anfangen zu weinen. 

Schnell breitet es sich aus,
Von einem Ende der Welt zum anderen,
Menschen, die das Virus in sich tragen,
In nur wenigen Tagen,
Tote auf den Straßen,
Teuflisch ist es,
Nimmt jedem sofort den Atem weg.

Die Eigenschaft eines Virus ist
Ebenso wandelbar wie seine Oberflächenstruktur.
Ein Virus ist ein Verwandlungskünstler.

Es wurde direkt mitten im Herzen Europas platziert.
Jedes Land schützt sich auf seine Art,
Die Lombardei ist am schlimmsten betroffen,
So als würde auf den Nachfahren der Römer ein Fluch liegen. 

Gott weint nicht oft,
Aber wenn er es tut, sind bereits Tausende Menschen tot.

Zum eigenen Schutz und aus Liebe zu anderen Menschen,
Um unserem Volk eine neue Chance zu geben,
Haben die hohen Mächte dieses Landes entschieden,
Bis auf weiteres auf soziale Kontakte zu verzichten.
Um das Virus auszutricksen,
Begeben wir uns freiwillig in Isolation,
Bevor das Virus es mit uns tut,
Und uns zwingt, vor den Göttern niederzuknien. 

Langsam aber sicher.
Sind die Menschen in Hysterie geraten,
Sie haben aus den Geschäften alles gekauft,
Was es zu kaufen gab.
So als würden sie es mit in das Grab nehmen,
Um den Eintritt ins Land der Götter zu erkaufen.

Die Hohen Mächte dieses Landes haben den Menschen
Bis auf weiteres alles verboten.
Jeder soll sich isolieren und zuhause bleiben,
Und das für mindestens einen Monat.
Tausende von Menschen haben ihre Arbeit verloren,
Geschäfte, Parks und soziale Eirichtungen wurden geschlossen.
Mit einer weißroten Bandschleife abgeriegelt,
Als ob die ganze Welt ein Tatort wäre.

Aber was tut man denn nicht alles?
Zuerst für die eigene Sicherheit sorgen,
Niemand möchte Schmerz erleiden.

Dafür begeben wir uns freiwillig in ein durchsichtiges Gefängnis.
Wo die Tore doch offenbleiben,
Selbst zu entscheiden, sich zu fragen
Wie viel ist das Leben wert?

Diese Ruhe in der Stadt
Ist mir unbekannt.
Alle Straßen sind leer.
Auch wenn die Sonne am wolkenlosen Himmel am höchsten steht,
Scheint es, als würde uns das Virus hinterhergehen,
Aus diesem Grund haben jetzt die Menschen,
Sogar vor ihrem eigenen Schatten Angst.

Die Fenster zumachen, die Rollos herunterlassen,
Für einen Monat genügend Essen in der Vorratskammer.
Es ist so still draußen,
So als wäre der Beginn des Dritten Weltkriegs.
Die Menschen haben sich verbarrikadiert,
Und warten in ihren verdunkelten Zimmern,
Dass das Virus an die Tür klopft.

Ein Virus, das den Menschen unheilbar scheint,
Scharfe Spitze, es ist eiskalt, und riecht nach Tod.

Was Tot ist kann niemals sterben.

Eine Geschichte ohne Ende,
Wird ein Virus die Menschheit auslöschen?

Alles im Universum verwandelt sich
Wie die Blumen im Frühling in vielen Farben blühen,
Alles stirbt und etwas Neues wird geboren.

Warum glaubt der Mensch noch immer, unbesiegbar zu sein?
Vielleicht sind diese leeren Tage
Doch nicht so leer. 

Vielleicht sind diese leeren Tage dafür da,
Um endlich Bekanntschaft mit der Zeit zu machen.
Um sich selbst besser kennen zu lernen.
Vielleicht sind diese unendlich leeren Tage dafür da,
Um mehr Zeit mit der Familie zu verbringen.

Vielleicht sind diese leeren Tage dafür da,
Um öfter an Gott zu denken,
In manchen Augenblicken ist jedem bewusst.
Dass der Glaube und das Gebet hilft.
Hilft gegen Krankheit und Einsamkeit.

Vielleicht sind diese leeren Tage dafür da,
Zu erkennen wie schön es eigentlich wäre,
Eine Welt ohne den Geruch des verbrannten Benzins in der Luft,
Eine Welt ohne Hektik und Stress.
Vielleicht sind die leeren Tage dafür da,
Nach Jahrzehnten wieder saubere Luft einzuatmen,
Die Zeit zu haben, den Blumen im Frühling beim Wachsen zuzusehen.

Vielleicht sind die leeren Tage dafür da,
Um unserem Geist ein wenig Ruhe zu schenken,
den Körper zu entspannen, unendlich lange schlafen zu dürfen,
Morgens früh aufzustehen und nur an Gott zu denken.

Mögen jetzt die Wahrsager,
Unsere Vergangenheit, unsere Gegenwart und unsere Zukunft zeigen.
Weil der Mensch jetzt nur schweigt,
Und seine Seele weint.

Einer für alle, alle für einen!
Ob das stimmt?
Ob die Menschen in Krisenzeiten
Sich mehr lieben oder mehr hassen?

Paläste und Reichtum wird keinen Wohlhabenden vor dem Virus schützen.
Ähnlich einer Krone mit scharfen Kanten,
Nachts funkeln die Sterne stärker als je,
Mitgefühl hat dieses Virus nicht,
Das Schwert der Gerechtigkeit wird den Menschen direkt ins Herz gestochen.

Es werden noch gute Zeiten kommen,
Das prophezeien die Engel,
Die mit Trompeten das Reich Gottes erkunden.
Es wird bald auf die Erde kommen.

Das kann nur Satans Hand sein,
Hunderte von Menschen an einem Tag tot,
So als würde der Teufel mit dem Tod Walzer tanzen,
Graziös vorbeischleichend,
Einen schwarzen Sandsturm hinter sich ziehend,
Und Menschen in großem Umkreis töten.
Er tötet alles was eine leuchtende Seele in sich trägt.

So leicht ist die Menschheit zu vernichten.
Jetzt kommen die Zeiten,
Um zu beten, möge uns die Hoffnung niemals verlassen,
Genügend Zeit um Gott anzuflehen,
Eigene Sünden bekennen,
Das ist keine gewöhnliche Beichte.

Alle Gebete der Menschheit werden von den Göttern erhört,
Wenn der Mensch Reue zeigt.
Sie müssen laut sein,
Ganz laut und aufrichtig.

Nur wenn die Mehrheit der Menschheit betet,
Und das Echo ihrer Gebete im Himmel zu hören ist,
Dann werden die Menschen weniger Angst haben,
Weil sie etwas gefunden haben,
An das sie jetzt ganz fest glauben.
Die Hoffnung, noch einen Tag leben zu dürfen. 


Nachlese zur Buchpräsentation in der KHG

Am 11. September durfte ich in der KHG in Klagenfurt mein neues Buch "Gib mir 1000 Küsse" vorstellen und aus einer Auswahl meiner Texte lesen - und auch ein bißchen darüber erzählen, wie meine Texte entstehen ... Weiterlesen.

Lesung in der KHG


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In dieser Rubrik finden Sie eine Auswahl aus meinen Prosa- und Lyriktexten. Viel Spaß beim Schmökern.

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